Warum fühle ich mich freier, wenn ich Sachen weggebe
Ein Auto wird verkauft, Erbstücke gehen an Verwandte, Kartons landen bei Nachbarn. Eigentlich müsste man einen Verlust spüren. Stattdessen folgt oft ein Gefühl der Erleichterung. Das stellt infrage, worin der Wert von Besitz liegt.
Der Lohn als Last
Im Märchen der Brüder Grimm dient Hans sieben Jahre lang seinem Herrn. Als Lohn erhält er einen Goldklumpen. Schon auf dem Weg zu seiner Mutter wird das Gold zum Problem:
«es ist zwar Gold, aber ich kann den Kopf dabei nicht gerad halten, auch drückt mirs auf die Schulter.»
— Brüder Grimm, «Hans im Glück», Kinder- und Haus-Märchen, Bd. 1, Große Ausgabe, 7. Auflage, Dieterich, Göttingen 1857
Bevor Hans das erste Mal tauscht, klagt er bereits über die Last, denn der wertvollste Gegenstand seines Lebens beschwert ihn von Anfang an.
Eine Serie von Verlusten
Hans tauscht das Gold gegen ein Pferd, das ihn abwirft. Danach folgen eine Kuh ohne Milch, ein Schwein und schließlich eine Gans. Er tauscht die Gans gegen einen Schleifstein. Die Menschen, denen er begegnet, machen fast aus jedem Geschäft einen Gewinn für sich, und ein Bursche redet ihm sogar ein, das Schwein sei gestohlen, um es ihm abzunehmen.
Die Brüder Grimm beschreiben den Betrug, Hans wird ausgenutzt. Doch seine Reaktion ist bemerkenswert: Mit jedem Tausch geht er leichter voran. Selbst als ihm die Steine in einen Brunnen fallen, kniet er nieder und dankt. Er behauptet, es gebe unter der Sonne keinen glücklicheren Menschen als ihn.
Der Unterschied zwischen Wert und Gewicht
Meist wird gefragt, was Hans bei seinen Tauschgeschäften verloren hat. Das Märchen legt den Fokus jedoch auf das, was er nicht mehr tragen muss. Kostbarkeit und Gewicht sind zwei verschiedene Dinge; Gold ist wertvoll, drückt aber dennoch auf die Schulter.
Das lässt sich auf viele Dinge übertragen, die man aufbewahrt: - Sammlungen aus dem Elternhaus. - Teure Instrumente, die seit Jahren im Koffer bleiben. - Wohnungen, die zu einer Lebensphase passen, die längst vorbei ist.
Man behält diese Dinge oft nur wegen ihres materiellen Wertes oder aus Angst, Weggeben würde als Verschwendung gelten. Die Last wird oft erst spürbar, wenn sie verschwunden ist. Diese Erleichterung ist kein Zeichen von Leichtsinn, sondern macht das Gewicht sichtbar, für das man zuvor keinen Namen hatte.
Ankunft ohne Gepäck
Das Märchen endet ohne Reue. Hans setzt seinen Weg fort:
«Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.»
— Brüder Grimm, «Hans im Glück», Kinder- und Haus-Märchen, Bd. 1, Große Ausgabe, 7. Auflage, Dieterich, Göttingen 1857
Ob Hans klug handelte, ist fraglich. Sein Vorgehen ist kein Vorbild, und er hätte auch scheitern können. Seine Freude ist jedoch real. Sie verdeutlicht, wie viel er über sieben Jahre Arbeit und den halben Heimweg mitgeschleppt hat.
Was trage ich, weil es kostbar ist, und nicht, weil ich es brauche?
Epimelea baut auf der existenziellen Schule auf. Das Gespräch geht von einer Begegnung zur nächsten weiter. Das Archiv wird auf dem Gerät verschlüsselt und gehört dem, der es geschrieben hat.
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