Warum tue ich Dinge nur, um jemandem etwas zu beweisen?
Ein Marathon, dem ein Jahr Training vorausgeht, obwohl das Laufen nie Freude bereitet hat, oder eine Beförderung, über die man sich weniger freut als über das Wissen, dass der frühere Chef davon erfährt. Ein Studium wegen des Vaters. Wer ehrlich prüft, findet hinter dem Ziel häufig eine bestimmte Person.
Der Handschuh im Zwinger
Friedrich Schiller verfasste die Ballade 1797 im sogenannten Balladenjahr. In den Zwinger kommen vier Raubtiere. Vom Rand des Altans fällt ein Handschuh mitten zwischen die Tiere. Fräulein Kunigunde wendet sich an Ritter Delorges:
«Herr Ritter ist eure Lieb so heiß Wie ihr mirs schwört zu jeder Stund,»
– Friedrich Schiller, «Der Handschuh», Musen-Almanach für das Jahr 1798
Er soll den Handschuh aufheben. Der Ritter steigt hinab, holt ihn ruhig heraus und bringt ihn zurück. Alle loben ihn. Kunigunde empfängt ihn mit einem zärtlichen Blick. Er verbeugt sich, lehnt den Dank ab und geht.
Das Ende des Beweises
Die Ballade lässt sich als Strafe für eine eitle Dame lesen. Interessanter ist jedoch, was im Ritter vorgeht. Er hat ihr jeden Tag seine Liebe geschworen. Jetzt verlangt sie einen Beweis, und er liefert ihn vollständig. In genau diesem Moment ist von der Liebe nichts mehr übrig.
Schiller erklärt das nicht. Vielleicht hat der Abstieg in den Zwinger dem Ritter gezeigt, worum es die ganze Zeit ging. Der Beweis war die Sache selbst geworden. Als er erbracht war, blieb nichts, wofür er hätte bleiben sollen.
Der Zuschauer auf dem Altan
Wer etwas tut, um es jemandem zu zeigen, hat diesen Menschen bei jedem Schritt dabei. Er sitzt auf dem Altan und schaut zu, auch wenn er längst nicht mehr an den Handelnden denkt. Der Ehrgeiz richtet sich nach seinem Blick: nach dem, was er für unmöglich hielt, was er verachtete und was ihn beeindrucken würde.
Dieser Blick gibt Kraft. Manche Dinge schafft man nur, weil jemand sagte, man schaffe sie nicht. Zugleich hält er einen fest. Solange man beweist, bleibt man in seinem Zwinger nach seinen Regeln; die Anerkennung, auf die alles zuläuft, ist oft genau das, was man dann nicht annehmen kann.
Nach dem Lob
Der Ritter geht noch zur selben Stunde. Was er danach tut, steht nirgends. Vielleicht weiß er es selbst noch nicht.
Wem beweise ich es, und was werde ich tun, wenn er es endlich anerkennt?
Epimelea baut auf der existenziellen Schule auf. Das Gespräch geht von einer Begegnung zur nächsten weiter. Das Archiv wird auf dem Gerät verschlüsselt und gehört dem, der es geschrieben hat.
Zur App: Online-Therapie mit KI, langfristig begleitet
Diese Seite handelt von einer Schule der Psychotherapie. Sie ist keine ärztliche Beratung und keine Notfallhilfe. Wenn Sie gerade in Gefahr sind, wählen Sie den Notruf 112. In Deutschland ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. In anderen Ländern finden Sie eine Hilfsstelle auf findahelpline.com.
Jetzt starten in
Ihrem Browser
Die ersten zwei Begegnungen sind kostenlos.