Warum verstehen mich alte Freunde nicht mehr?
Das Wiedersehen mit der alten Clique steht fest. Du sprichst von dem neuen Job, vom Jahr in der anderen Stadt und davon, wie du heute anders lebst. Zunächst hören alle zu. Dann sagt jemand: „Du bist ja ganz schön wichtig geworden.“ Die Gruppe lacht. Für den Rest des Abends redest du weniger.
Petz kehrt zurück
Christian Fürchtegott Gellert hat diese Situation in zwanzig Versen erzählt. Ein Bär, der lange Zeit für Brot tanzen musste, entkommt und kommt in den Wald zurück. Die anderen Bären empfangen ihn wie einen Bruder. Er berichtet von fremden Ländern. Mitten im Erzählen beginnt er zu tanzen, als wäre er noch an die Kette gebunden.
„Die Brüder, die ihn tanzen sahn, Bewunderten die Wendung seiner Glieder,“
— Christian Fürchtegott Gellert, „Der Tanzbär“, Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch, Leipzig 1769
Bis zu diesem Punkt ist der Tanz ein Geschenk. Er zeigt, wo er gewesen ist. Die anderen staunen.
Der Versuch der Brüder
Anschließend probieren sie es selbst. Sie kommen kaum auf die Hinterbeine. Mancher fällt der Länge nach hin. Der Bär tanzt weiter. Gerade das bringt die Gruppe gegen ihn auf. „Du Narr, willst klüger seyn, als wir?“, rufen sie und treiben ihn weg.
Gellert leitet daraus eine Lehre über Neid ab. In der Fabel steckt noch etwas anderes. Die Brüder werfen dem Bären nicht den Tanz selbst vor. Sie werfen ihm vor, dass sie dabei hingefallen sind. Was er zeigt, wird zum Maßstab, an dem sie sich messen. Das haben sie nicht verlangt.
Was ich vortanze
Wer sich verändert hat, kommt selten mit leeren Händen zurück. Man bringt neue Wörter mit, eine andere Art zu essen oder zu arbeiten, einen anderen Umgang mit Gefühlen. Oft zeigt man es, weil man es teilen will, manchmal auch, damit die alten Freunde sehen, dass sich die Zeit gelohnt hat.
Der Bär lässt sich umso mehr sehen, je weniger die anderen mitkommen. Zwischen Erzählen und Vorführen liegt im Gedicht nur eine Zeile. Am Tisch mit der alten Clique ist die Grenze genauso schmal. Von innen sieht man sie schlecht.
Ein Wald, zwei Erwartungen
Am Anfang heißt es im Wald: „Petz ist wieder da!“ Begrüßt wird der Bär, den sie kannten. Der Tanz gehört zu einem anderen. Er ist in der Fremde entstanden. Die Freude über die Rückkehr und der Ärger über den Tanz gelten zwei verschiedenen Bären. Sie stecken zufällig in einem Fell.
Die Bären wollten den Petz von früher zurück. Der Bär wollte, dass sie den neuen bewundern. Am Ende treiben sie ihn aus dem Wald, in den er gerade erst heimgekehrt war.
Was von dem Neuen an mir zeige ich alten Freunden, damit sie es gutheißen?
Epimelea baut auf der existenziellen Schule auf. Das Gespräch geht von einer Begegnung zur nächsten weiter. Das Archiv wird auf dem Gerät verschlüsselt und gehört dem, der es geschrieben hat.
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