Epimelea

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Warum wachsen mir meine eigenen Vorhaben über den Kopf

Ein Verein, eine Renovierung oder ein Nebenprojekt beginnen oft als eigene Idee und machen anfangs Freude. Irgendwann entwickeln diese Dinge eine eigene Dynamik. Man rennt den Aufgaben hinterher, findet aber keinen Punkt, an dem man aufhören könnte.

Wenn der Besen gehorcht

In Goethes Ballade beginnt die Handlung mit einem Erfolg, da der Lehrling die Formeln gelernt hat und die Abwesenheit seines Meisters nutzt:

«Hat der alte Hexenmeister / Sich doch einmal wegbegeben! / Und nun sollen seine Geister / Auch nach meinem Willen leben.»

— Johann Wolfgang von Goethe, «Der Zauberlehrling», Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand, Bd. 1, 1827

Der Zauber funktioniert. Der Besen bekommt Beine und trägt Wasser vom Fluss herbei, bis erst das Becken und dann die Schalen voll sind.

Das fehlende Wort zum Aufhören

Sobald es genug ist, bemerkt der Lehrling sein Problem:

«Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe! / Hab’ ich doch das Wort vergessen!»

— Johann Wolfgang von Goethe, «Der Zauberlehrling», Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand, Bd. 1, 1827

Der Besen ist nicht defekt und hat sich nicht versprochen, sondern führt exakt das aus, was befohlen wurde. Der Lehrling beherrschte den Anfang, nicht das Ende.

Als er den Besen mit dem Beil spaltet, schleppen zwei Knechte weiter Wasser. Die gewaltsame Beendigung verdoppelt die Arbeit.

Dinge ohne Schlusswort

Viele Lebensentscheidungen werden ähnlich angestoßen: eine Zusage, eine Gewohnheit oder eine Rolle, die man übernommen hat, weil man die Fähigkeit dazu besaß. Das Ende spielt anfangs keine Rolle, da man glaubt, jederzeit aufhören zu können.

Mit der Zeit bekommt das Vorhaben seinen eigenen Rhythmus. Andere Personen verlassen sich auf diese Struktur. Man selbst wird zu der Person, die diese Aufgabe erledigt. Ein Wort zum Anhalten wurde nie formuliert oder gedacht. Vielleicht wäre dieses Wort ein einfaches «Es reicht».

Die Geister, die ich rief

Ein Teil der Ballade ist als Sprichwort in den Alltag übergegangen:

«Herr, die Noth ist groß! / Die ich rief, die Geister, / Werd’ ich nun nicht los.»

— Johann Wolfgang von Goethe, «Der Zauberlehrling», Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand, Bd. 1, 1827

Hier ist das «ich» entscheidend. Der Lehrling beschwert sich nicht über äußere Mächte. Er erkennt, dass er die Geister selbst gerufen hat.

Bei Goethe erscheint am Ende ein Meister, der das richtige Wort kennt. Im eigenen Leben steht es selten in einem fremden Buch.

Was habe ich selbst in Gang gesetzt, ohne das Wort zu kennen, mit dem es aufhört?


Epimelea baut auf der existenziellen Schule auf. Das Gespräch geht von einer Begegnung zur nächsten weiter. Das Archiv wird auf dem Gerät verschlüsselt und gehört dem, der es geschrieben hat.

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Diese Seite handelt von einer Schule der Psychotherapie. Sie ist keine ärztliche Beratung und keine Notfallhilfe. Wenn Sie gerade in Gefahr sind, wählen Sie den Notruf 112. In Deutschland ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar. In anderen Ländern finden Sie eine Hilfsstelle auf findahelpline.com.

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Die ersten zwei Begegnungen sind kostenlos.

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